Land Rover Der Unverwüstliche wird 60
Erstellt am: 22/05/2008, 00:00:00
Land Rover – Der Unverwüstliche wird 60
Lara Croft fuhr einen, und auch die Queen fuhr schon mal mit. In den 60 Jahren seines Daseins hat der Land Rover seine Vielseitigkeit bereits unter Beweis stellen können. Nicht der einzige Grund, warum der als Nutzfahrzeug konzipierte Geländewagen es bis auf die Parkplätze des Jetsets geschafft hat.
Der
Militär und Ambulanz schätzen die Autos ebenso wie Abenteurer und Expeditionsausrüster. Längst haben seine luxuriösen Erscheinungsformen auch die Parkplätze der feinen Vorstadtvillen erobert. Dass der Land Rover vor 60 Jahren als Verlegenheitskonstruktion in die Automobilgeschichte startete, ist nur wenig bekannt.
Als Geburtsstunde der Marke gilt offiziell das Debüt auf der Amsterdam Motor Show am 30. April 1948. Die Zeugung muss freilich irgendwo in der walisischen Provinz stattgefunden haben. In der Grafschaft Anglesey besaß Maurice Wilks einen Bauernhof. Er war technischer Direktor der Rover Automobilwerke und suchte händeringend nach einer zündenden Idee, wie nach der kriegsbedingten Zerstörung des Werkes in Coventry und der allgemeinen Materialknappheit die Produktion wieder in Gang gebracht werden könnte.
Auf seiner Farm hatte er ausgemusterte Militärfahrzeuge als Zugmaschine für Pflüge und anderes Gerät für die Feldarbeit genutzt. Ein kleines und robustes Fahrzeug mit Allradantrieb für die Landwirtschaft – das musste die Lösung der Rover-Probleme sein. Wilks überzeugte seine Kollegen und es wurde ein Fahrzeugchassis aus Militärbeständen mit Motor und Getriebe eines Rovers zusammengeschraubt. Da es als Stahl mangelte, wurde die Karosserie aus Aluminium gefertigt. Werkzeuge und Maschinen zur Bearbeitung der Bleche waren ebenfalls nicht vorhanden, deshalb wurden, wo es ging, flache und gerade Platten verbaut.
Die 48 Exemplare umfassende Vorserie verfügte über permanenten Allradantrieb mit Freilauf und ein Zweigang-Verteilergetriebe. Ein 1,6-Liter-Rover-Motor diente als Kraftquelle. Um das ins Auge gefasste Einsatzgebiet des neuen Fahrzeugs schon mit dem Namen zu dokumentieren, wurde das Gefährt "Land Rover“ getauft. Das Publikum auf dem Autosalon in Amsterdam reagierte überrascht, neugierig und durchweg positiv.
Auch 60 Jahre nach diesem Ereignis gehört der Land Rover zu den Autos mit dem größten Wiedererkennungswert. Nur noch der Marke Jeep wird eine vergleichbar große Allradkompetenz zugerechnet. Die Robustheit der Autos ist legendär, rund 70 Prozent aller jemals gebauten Land Rover sind noch fahrbereit. Nicht nur die Armeen vieler Länder fanden Gefallen an den Produkten aus Solihull, wohin die Marke wegen der Zerstörung der alten Produktionsstätten umgezogen war, sondern auch die UNO, Hilfsdienste und Umweltorganisationen.
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Vom Modell Defender, der Weiterentwicklung der ersten Land Rover, entstanden die skurrilsten Varianten. Die Queen of England benutzte einen offenen Landaulet, indem sie und der Prinzgemahl hinter dem Fahrer aufrecht standen und sich an einem gepolsterten Rohr festhielten. Das rundum verglaste Papamobil des Oberhauptes der katholischen Kirche wurde weltberühmt, fast unbemerkt zog dagegen das mit riesigen Rädern und gewaltiger Bodenfreiheit ausgestattete Forst-Spezialfahrzeug in königlichen Wäldern seine Bahn. Arktisforscher ließen Raupenketten und die Feuerwehr eine Leiter aufs Dach montieren. Der Popularität sehr förderlich war der vielfältige Land-Rover-Einsatz in Film und Fernsehen. Furchtlose Wildhüter in der TV-Serie „Daktari“ fuhren selbstverständlich Defender, selbst Comicfigur Lara Croft steuerte den kantigen Offroader.
"Wer hätte nicht gern so eine Legende im Modellprogramm?“ fragt Jeffrey L. Scott, Geschäftsführer von Land Rover Deutschland. Er ist sicher, "der Defender wird uns noch lange erhalten bleiben“. Seinem Optimismus steht eine verschärfte EU-Richtlinie zum Fußgängerschutz entgegen, die schon 2010 das Aus für die
Geländewagen-Ikone bedeuten könnte, die in Deutschland rund ein Fünftel des Land Rover Absatzes ausmacht. Eine Anpassung an die Richtlinie würde den Defender so verändern, dass sein ursprünglicher Charakter verloren ginge.
22 Jahre lang blieb Land Rover die Ein-Modell-Marke, bis 1970 der Range Rover erschien. Laut damaliger Werbung stellte der große Zweitürer "Vier Autos in einem“ dar, nämlich Sportwagen, Limousine, Kombi und Geländewagen. Heute unbestritten ist die Rolle des Range Rovers als Urvater der heutigen Sport Utility Vehicles. Von der Ursprungsmarke Rover längst emanzipiert erreichten die Geländespezialisten 1975 mit diesen zwei Modellen eine wichtige Marke: Es wurde der millionste Land Rover ausgeliefert.
Heute gibt es fünf Baureihen, über eine sechste wird dieses Jahr fernab von Solihull entschieden: Kurz nach der Weltpremiere der Studie LRX verkaufte der Ford-Konzern die Marke Land Rover an das indische Unternehmen Tata.
Welt Online, Axel F. Busse