VDA gründet Qualitäts-Management-Center in Moskau
Erstellt am: 28/08/2008, 00:00:00 - Aktualisiert am: 10/01/2009, 00:00:00
Deutsche Marken wachsen in Russland schneller als der Markt
Im Premiumbereich mit 60 Prozent führend - Nutzfahrzeuggeschäft legt zu
Die deutschen Automobilhersteller legen auf dem Wachstumsmarkt Russland ein besonders hohes Tempo vor: Während der Gesamtmarkt 2008 voraussichtlich um ein Viertel auf 3,1 Mio. Einheiten steigt, wird der Absatz deutscher Pkw-Modelle sprunghaft um rund ein Drittel auf 465.000 Einheiten zunehmen. "Damit haben die deutschen Hersteller ihren Marktanteil auf dem russischen Markt gegenüber dem Jahr 2004 nahezu verdreifacht. Jeder siebte Neuwagen, der derzeit in Russland zugelassen wird, ist eine deutsche Konzernmarke", betonte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) auf einer VDA-Pressekonferenz auf dem Moscow International Automobile Salon 2008 (MIAS). Der VDA ist dort mit 14 Ausstellern - darunter Benteler, Brose und die Schaeffler-Gruppe - auf einem Gemeinschaftsstand vertreten und wird zu Schulungszwecken ein Qualitäts-Management-Center (QMC) in Moskau gründen, das zum Jahresende seine Arbeit aufnimmt.
Russland biete mit seinen über 140 Mio. Einwohnern ein enormes Nachfragepotenzial. Die Motorisierung der breiten Bevölkerung habe gerade erst begonnen: Während in Deutschland über 500 Autos auf 1.000 Einwohner kommen, sind es in Russland nur 200. Die Erneuerung des Pkw-Bestands wird auch dadurch unterstützt, dass die russische Regierung die Einführung anspruchsvoller Abgasnormen beschlossen hat: Seit 2006 ist Euro-2 verbindlich, in diesem Jahr kommt Euro-3 mit wesentlich höheren Technikanforderungen, 2010 steht Euro-4 an, zwei Jahre später Euro-5. "Diese strengen Abgasnormen führen zu zusätzlichen Investitionen und bieten gerade deutschen Herstellern und Zulieferern gute Wachstumschancen", unterstrich der VDA-Präsident.
Deutsche Qualität genieße in Russland hohe Anerkennung. Insbesondere die Zusammenarbeit mit Zulieferern aus Deutschland werde intensiviert. So steckt mehr und mehr deutsche Qualität in russischen Produkten: Allein im letzten Jahr sind die Lieferungen von Teilen und Zubehör aus Deutschland um 30 Prozent auf über 1,5 Mrd. Euro gestiegen. Vor fünf Jahren lag dieser Wert bei nur 370 Mio. Euro. Auch die künftigen Wachstumsperspektiven sind vielversprechend: Der russische Teilemarkt wird bis zum Jahr 2012 um 50 Prozent auf 9 Mrd. Euro zulegen, ähnlich hohe Wachstumsraten werden für den Ersatzteilmarkt erwartet.
Die Steigerung der Produkt- und Prozessqualität von Zulieferern ist gerade auf dem russischen Wachstumsmarkt von entscheidender Bedeutung. Der VDA gründet daher in Moskau ein Qualitäts-Management-Center (QMC), das Ende des Jahres seine Arbeit aufnehmen wird. Nach russischem Recht müssen alle ausländischen Hersteller und Zulieferer den Anteil ihrer Lieferanten vor Ort erhöhen, da ansonsten Zollvergünstigungen nicht gewährt werden. Wissmann: "Da unsere Hersteller und Zulieferer auch auf dem russischen Markt Lieferanten benötigen, die den weltweit hohen Qualitätsansprüchen unserer Marken genügen, werden im QMC Moskau künftig Mitarbeiter entsprechend den gemeinsam zwischen Herstellern und Zulieferern im VDA-QMC in Deutschland erarbeiteten Standards und Richtlinien geschult. Unser Motto lautet: ?Premiumqualität nicht nur im Premiumsegment'."
Auch als Nutzfahrzeugmarkt ist Russland von großer strategischer Bedeutung, er gehört zu den weltweit wachstumsstärksten und ist absolutes Schwergewicht beim Absatz von Lkw über 6 t in Osteuropa. In den letzten fünf Jahren stieg der Absatz von mittleren und schweren Lkw um 127 Prozent; allein im vergangenen Jahr wurde ein sprunghaftes Wachstum von 48 Prozent auf gut 152.000 Einheiten verzeichnet.
Dabei konnte MAN, das den russischen Markt von seinem Werk in Krakau/Polen aus bedient und im 4. Quartal 2007 mit rund 29 Prozent Marktführer bei den westeuropäischen Importeuren war, den Absatz im letzten Jahr auf knapp 4.500 Lkw über 6 t nahezu verdreifachen. Iveco steigerte seine Exporte nach Russland von schweren Lkw über 16 t, die in Deutschland produziert werden, im vergangenen Jahr um über 300 Prozent.
Anders als auf dem Pkw-Markt verfügen die russischen Anbieter bei Nutzfahrzeugen nach wie vor über eine starke Position, ihr Marktanteil beträgt 61 Prozent. Jeder vierte neue Lkw über 6 t, der in Russland zugelassen wird, kommt vom Marktführer Kamaz. Daimler prüft derzeit eine Beteiligung an Kamaz, bei der sowohl Entwicklungs-, als auch Produktions- und Vertriebs-Know-how der beiden Unternehmen einfließen könnte. Daimler Trucks erhöhte seinen Absatz im vergangenen Jahr in Russland um 58 Prozent. Wissmann betonte: "Auch die deutschen Nutzfahrzeugmarken sind auf dem russischen Markt gut aufgestellt und nutzen offensiv die Chancen, die sich hier bieten."
(Quelle und vollständige Pressemitteilung: vda.de)