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Iveco baut 550 Arbeitsplätze ab

Erstellt am: 01/09/2008, 00:00:00 - Aktualisiert am: 10/01/2009, 00:00:00

Lkw-Hersteller lässt befristete Beschäftigungsverhältnisse auslaufen - Stammbelegschaft sicher. Iveco Magirus baut über 350 Zeitarbeitskräfte hinaus noch einmal 550 Mitarbeiter mit befristeten Arbeitsverträgen ab. Der Lkw-Hersteller im Donautal reagiert damit auf einen katastrophalen Auftragseinbruch.

 Bei dem zur Fiat-Gruppe gehörenden Lastwagenhersteller Iveco Magirus haben sich nun Befürchtungen bewahrheitet, dass wegen eines Auftragseinbruchs 550 befristete Arbeitsverhältnisse nicht verlängert werden. Dies bestätigten gestern die Unternehmensleitung und der Betriebsrat. Schon im Juli war bekannt geworden, dass der Ulmer Nutzfahrzeugproduzent in seinem Werk im Donautal 350 Zeitarbeiter nach Hause schicken muss und die erst Anfang 2008 eingerichtete zweite Schicht wieder streicht. Insgesamt baut Iveco in Ulm also 900 Arbeitsplätze ab. Die Stammbelegschaft mit 1700 Mitarbeitern in Produktion, Verwaltung und Entwicklung ist jedoch wegen einer bis zum Jahr 2010 geltenden Beschäftigungssicherung ungefährdet.

Der seit November 2007 amtierende Betriebsratsvorsitzende Bernhard Maurer (54) erläuterte, dass im laufenden Jahr 450 befristete Arbeitsverträge sukzessive auslaufen und nicht verlängert werden, 2009 sind es nochmal 100. Normalerweise laufen diese Verträge über ein halbes Jahr und können mehrfach erneuert werden. Im Rahmen des Personalabbaus bei Iveco sind also keine Kündigungen erforderlich.

Maurer sagte, bei den Mitarbeitern, denen Iveco Zeitverträge gegeben habe, handle es sich vor allem um jüngere Leute, die womöglich nach einer handwerklichen Ausbildung nicht von ihrem Lehrbetrieb übernommen wurden. Die Personalleitung versuche nun, sie über Kontakte in der Metallindustrie weiterzuvermitteln (siehe auch nebenstehenden Bericht): "Die Firma lässt sie nicht hängen." Dabei wirke es sich positiv aus, dass die befristeten Verträge nicht auf einmal auslaufen, so dass man mit der Vermittlung der Facharbeiter auf dem regionalen Arbeitsmarkt nicht so sehr unter Druck stehe. Maurer glaubt, dass ihre Chancen auf Wiedereinstellung "nicht schlecht" sind.

Der Betriebsratsvorsitzende ist der Ansicht, dass die Nutzfahrzeugbranche zuletzt zu viel Hoffnung auf ein Anhalten des Lkw-Booms gesetzt habe und sich vor der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover (Beginn: 25. September) auch keinerlei Blöße mehr geben wolle. Aber die Realität komme "Stück für Stück" ans Licht.

Die Auftragslage bei den Nutzfahrzeugproduzenten ist auch nach Meinung von Iveco-Sprecher Manfred Kuchlmayr derzeit "katastrophal". Die Spediteure als wichtigste Kundengruppe litten unter den hohen Dieselpreisen und scheuten daher Investitionen in neue Fahrzeuge. Sie würden außerdem durch die geplante Mauterhöhung sowie die Diskussion um die neue Schadstoffnorm Euro VI verunsichert. Zudem seien die Konjunktur-Erwartungen zunehmend pessimistisch.

Das Iveco-Werk in Ulm stellt die Iveco-Lastwagen des Typs Stralis vor allem auch für europäische Märkte wie Italien oder Großbritannien her, die bereits in einer schwachen Verfassung sind. Der Markt in Spanien ist wegen der dortigen Baukrise eingebrochen, dies trifft aber vor allem das Schwesterwerk in Madrid. Kuchlmayr macht deutlich, dass die Iveco-Fabrik in Ulm nach wie vor auf einem guten Auftragspolster sitzt und die Rekordproduktionszahl des Vorjahres mit 20 343 Fahrzeugen wieder erreichen kann: "Wir fallen nicht ins Bodenlose".

Die Tagesproduktion auf den zwei Montagebändern im Donautal wurde jedoch nach Streichung der zweiten Schicht bereits von 125 auf 90 Lastwagen pro Tag zurückgefahren. Man möchte auf keinen Fall auf Halde produzieren, wie Konkurrenten dies anscheinend bereits tun.

(suedwest-aktiv.de)


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