Bundespolizei fährt nicht mit E10
Erstellt am: 28/03/2011, 09:49:28 - Aktualisiert am: 28/03/2011, 09:57:25
Die Bürger sollen Biosprit kaufen, doch die Politik hat bei eigenen Fahrzeugen Bedenken: Dienstwagen des Innenministeriums und der Bundespolizei werden nach SPIEGEL-Informationen nicht mit E10 betankt - weil man erst prüfen muss, ob die Fahrzeuge dafür geeignet sind.
Hamburg - Auch in der Bundesverwaltung stößt die bei Autobesitzern wenig beliebte neue Benzinsorte E10 auf Skepsis. Die Dienstfahrzeuge des Innenministeriums werden nach Informationen des SPIEGEL bislang nicht mit dem sogenannten Biokraftstoff betankt. Man wolle erst "prüfen, ob Teile des Fuhrparks E10-tauglich sind", so ein Sprecher.
Gleiches gelte für die dem Innenminister unterstellten Behörden, also auch für die Bundespolizei. Das Ministerium fürchtet zudem, dass Einsatzfahrzeuge des Technischen Hilfswerks (THW) den Biosprit möglicherweise nicht vertragen. Insgesamt dürfte die Anweisung mehrere tausend Fahrzeuge betreffen.
Die Bürger freilich ruft die Bundesregierung weiterhin auf, mehr E10 zu tanken als bislang. Es handele sich um ein "gutes Produkt", heißt es auch in einem Bericht des Umweltministeriums von vergangener Woche. Auch Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner sprach sich erneut für den Biosprit aus. "Jeder weiß: Wir brauchen Alternativen zum Öl. In anderen Ländern haben sich Treibstoffe mit höherer Bio-Beimischung längst durchgesetzt", sagte die CSU-Politikerin den Dortmunder "Ruhr Nachrichten".
Gleichzeitig kritisierte die Ministerin die Mineralölwirtschaft, die den neuen Sprit zu wenig beworben habe. Aigner bekräftigte zudem ihre Forderung, die deutschen Verbraucher besser zu informieren. "Verlorengegangenes Vertrauen muss erst mühsam wieder aufgebaut werden. Viele Verbraucher sind immer noch verunsichert, ob ihr Fahrzeug E10 verträgt."
Wenig Zustimmung bei den Verbrauchern
Etwa 85 Prozent der Verbraucher lehnen den Biokraftstoff laut einer Untersuchung des Automobilclubs ADAC kategorisch ab. Auch gibt es Zweifel darüber, wie umweltschonend das Produkt tatsächlich ist. E10 wird bisher hauptsächlich im Osten und im Süden des Landes angeboten, im Norden und Westen von Deutschland wird es weitgehend noch nicht verkauft.
Um die bislang enttäuschende Nachfrage zu vergrößern, hatte die Mineralölindustrie am Freitag gefordert, Steuerentlastungen einzuführen, um den Verkaufspreis senken zu können. Doch die Regierung lehnt das ab. "Soweit ich das wahrgenommen habe, ist ja die mangelnde Akzeptanz des E10-Benzins, wenn sie überhaupt besteht, nicht auf den Preis an der Zapfsäule zurückzuführen, sondern auf andere Vorbehalte", sagte ein Sprecher von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). "Insofern sehe ich nicht recht den Sinn dieser Forderung."
Quelle: Spiegel Online